Blog
26
03
2014
Warum wir fühlen, wie wir fühlen - eine Buchempfehlung

Warum fühlen wir eigentlich, was wir fühlen?

von Bianca 0

Im Artikel „>>Resilienz – nicht verrückt machen lassen“ bin ich bereits auf das Buch „Warum wir fühlen, wie wir fühlen – Wie die Gehirnstruktur unsere Emotionen bestimmt – und wie wir darauf Einfluss nehmen können“ von Richard Davidson (in Kooperation mit Sharon Begley) eingegangen. Aufgrund des regen Interesses möchte ich es an dieser Stelle einmal etwas ausführlicher vorstellen.

Warum wir fühlen, wie wir fühlen - eine Buchempfehlung

Der emotionale Stil

In 11 Kapiteln schildert der Hirnforscher und Neurowissenschaftler, welcher eine dreißigjährige Forschungserfahrung vorweisen kann, seine Entdeckung des emotionalen Stils.
Dieser Stil ist laut Davidson die Basis unserer Emotionen beziehungsweise unserer Art und Weise, auf Ereignisse und das Leben selbst zu reagieren.

  • Sind wir leicht aus der Ruhe zu bringen?
  • Schließen wir schnell Freundschaften oder sind wir eher schüchtern und zurückhaltend?
  • Sind wir grundsätzlich optimistisch oder sehen wir eher schwarz?
 Der emotionale Stil umfasst sechs Stildimensionen – Resilienz, Grundeinstellung, Soziale Intuition, Selbstwahrnehmung, Kontextsensibilität und Aufmerksamkeit.

Werbung​[AdSense-B]

Psychologische Typisierungen können nicht immer neuronal begründet werden

Davidson verlangt von den zahlreichen, psychologischen Typisierungen (zum Beispiel die der „Fünf Persönlichkeitsmerkmale“ oder die der „Vier Temperamente“) nicht weniger, als dass sie auf einer neurowissenschaftlichen Grundlage basieren sollen und damit nachweisbar sind. Nicht immer scheint das der Fall zu sein oder es wurde bisher zumindest nicht untersucht.

Für den von ihm erforschten emotionalen Stil scheint dies jedoch zuzutreffen, da er ausführlich schildert, wie er die neuronale Basis der Stildimensionen im Gehirn mittels umfangreicher Studien anhand bildgebender Verfahren im Labor nachweisen konnte. Obwohl dies teilweise recht wissenschaftliche und trockene Materie ist, wird es im Buch unterhaltsam dargestellt, so dass auch ein in Neurowissenschaften wenig bewanderter Leser durchaus folgen kann.

Praktische Anleitung zur Optimierung des emotionalen Stils

Besonders interessant und praktisch relevant wird es im Buch in folgenden Kapiteln:

Kapitel 3:
Anhand von Fragebögen kann man sich einen ersten Überblick über den eigenen emotionalen Stil verschaffen. Danach kann man erahnen, in welcher Dimension man recht gut aufgestellt ist und wo man möglicherweise Defizite aufweist.

Kapitel 4:
Es wird beschrieben, wo genau im Gehirn sich die neuronale Basis der einzelnen Stildimensionen befindet und was das für die Praxis bedeutet. Das oben erwähnte „Defizit“ erklärt sich dann aus neuronal nicht optimal miteinander verschalteten Hirnregionen. Das ist im Regelfall kein Defekt und keine Anomalie, sondern kann sich beispielsweise durch ungünstige Erfahrungen herausgebildet haben.

Diese haben sich sozusagen als neuronale Muster eingeprägt, führen je nach dem zu starker Aktivität in der einen oder zu unterdurchschnittlicher Aktivität in einer anderen Gehirnregion und bilden somit die Grundlage für die Ausprägung der einzelnen Stildimensionen.

Im Eingangs erwähnten >>Artikel zur Resilienz habe ich das für die Dimension Resilienz grob vereinfacht dargelegt. Eine überaktive Amygdala kann zum Beispiel zu verstärkten Ängsten und weniger Resilienz  führen – und laut Davidson durch einen optimal aktivierten linken präfrontalen Kortex gebändigt werden.

Kapitel 11:
Hier gibt es glücklicherweise Anleitungen und Übungsvorschläge für die Optimierung der jeweiligen Stildimension. So schlägt er für die Optimierung der Dimension Resilienz unter anderem ein ausführliches Training der >>Achtsamkeit vor – und kann anhand von Laborergebnissen darlegen, dass und warum dies tatsächlich die betroffenen Gehirnregionen dauerhaft positiv beeinflussen kann. Dafür hat er neben Studien an Ottonormalverbrauchern auch nicht davor zurückgeschreckt, in Achtsamkeitsmeditation geübte Mönche ins MRT zu schieben und deren Hirnströme exakt zu messen.

Begegnung von Wissenschaft und Meditation – amüsant und lehrreich

Davidsons Buch ist keines der üblichen Motivationsbücher. Es fehlt auch die oft anzutreffende „Du schaffst das!“ – Haltung. Davidson ist Wissenschaftler und dies merkt man seinem Buch an – jedoch hat er die Informationen so aufbereitet, dass man sie gut und verständlich konsumieren kann.

Und einige amüsante Anekdoten sind ebenfalls vorhanden. So bezwang er schwer bepackt mit monströser Ausrüstung – mit dem Segen des Dalai Lama – die teilweise recht unwirtlichen Berge bei Dharamsala zusammen mit dem bekannten Neurowissenschaftler, Biologen und Philosophen Francisco Varela auf der Suche nach Mönchen, die bereit waren, Ihre Hirnströme messen zu lassen – leider erfolglos. Alle waren zu bescheiden, um sich für geeignete Testpersonen zu halten.
Mit Daniel Golemann, der später einen großen Erfolg mit seinem Bestseller „EQ. Emotionale Intelligenz“ feierte, saß er gemeinsam im Hörsaal in Harvard und reiste mit ihm nach Indien, um der Meditationspraxis näher zu kommen. Matthieu Ricard, seines Zeichens gebürtiger Franzose, Molekularbiologe, buddhistischer Mönch und Schriftsteller, schob er ins MRT und studierte seine Hirnströme – um die Ergebnisse dem höchst interessierten Dalai Lama zu präsentieren.

So zieht es sich durch das ganze Buch. Wissenschaftler, die im Auftrag der Forschung wahnwitzige und halsbrecherische Reisen zu den abgelegensten Orten der Welt unternehmen, um das Meditieren zu lernen; Mönche, die in den USA als lebende Versuchsobjekte dienen, ein an Technik und Wissenschaft höchst interessierter Dalai Lama (der laut eigener Aussagen auch gerne Ingenieur geworden wäre, wenn er eben nicht gerade zum Dalai Lama berufen worden sei) – das ganze Buch scheint ein einziger Brückenschlag zwischen zwei Welten zu sein. Wie so oft zeigt sich, dass beide nicht so weit auseinander liegen, wie man zunächst denken mag.

Nie verliert Davidson dabei jedoch den wissenschaftlichen Bezug, bewertet die Meditation fern von jeder Art der religiösen Weltanschauung, geht sehr kritisch mit den eigenen Studienergebnissen um und verspricht auch nicht, das Allheilmittel für emotionale Probleme gefunden zu haben.

Dennoch macht das Buch Mut, den eigenen emotionalen Nöten einmal auf eine etwas andere, pragmatischere Weise zu begegnen und daran tatsächlich etwas ändern zu können –  wenn man dies denn will! Denn, auch das sagt Davidson ganz deutlich, es gibt nicht den einen, perfekten emotionalen Stil und manch einer sei durchaus zufrieden mit beispielsweise einer etwas negativen Grundhaltung und wolle daran definitiv nichts ändern.

Aber wer tatsächlich an sich arbeiten möchte, findet hier sehr interessante Ansätze und Anregungen.

Warum wir fühlen, wie wir fühlen
Wie die Gehirnstruktur unsere Emotionen bestimmt – und wie wir darauf Einfluss nehmen können 
– Richard Davidson, mit Sharon Begley
Arkana-Verlag, Verlagsgruppe Random-House GmbH
ISBN 978-3-442-33888-7

 Verpasse keinen neuen Beitrag mehr und abonniere dieses Magazin! Keine Registrierung notwendig!

Tags für diesen Beitrag
Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.