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24
03
2014
Resilienz lässt sich trainieren

Resilienz – nicht verrückt machen lassen!

von Bianca 0

Resilienz ist in aller Munde, ist sie doch schließlich ein äußerst erstrebenswertes Gut. Wer über Resilienz verfügt, ist widerstandsfähiger gegen Katastrophen, Schicksalsschläge und auch gegen den alltäglichen Stress.

 

So, wie eine Viskomatratze bei einer äußeren Einwirkung durch Druck (zum Beispiel durch das darin Liegen) zuerst nachgibt, nach dem Ende der Einwirkung jedoch schnell wieder zurück in ihre Ausgangsform kommt, findet auch ein Mensch mit genügend Resilienz schnell wieder in seine stabile Seelenlage zurück, wenn es das Schicksal einmal nicht so gut mit ihm meint.

Der Begriff Resilienz stammt auch tatsächlich ursprünglich aus der Werkstoffkunde und beschreibt ganz allgemein die Fähigkeit von Stoffen, sich nach einer Verformung durch Fremdeinwirkung wieder in ihre Ursprungsform zurückzubilden.

Hohe Resilienz – starke Nerven erwünscht

Letztendlich passt es natürlich zu unserer Leistungsgesellschaft, dass alle möglichst permanent belastbar und leistungsfähig bleiben und durch Schicksalsschläge nicht sonderlich aus der Bahn geworfen werden sollen. Resilienz aus diesem Grunde anzustreben, ist sicher der falsche Ansatz. Dennoch klingt es für Betroffene, die mitten in einer Krise stecken oder schon immer ein wenig sensibler auf die Widrigkeiten des Lebens reagierten, paradiesisch: Nerven wie Drahtseile, eine allzeit ausgeglichene Seelenlage, weniger Nervosität, weniger Stimmungschwankungen – eine hohe Resilienz macht es möglich.

Resilienz – lass Dich nicht verwirren!

Aber was ist das nun genau – Resilienz?
Macht man eine Internetrecherche zur Resilienz, findet man schnell die sogenannten sieben Faktoren der Resilienz. Sucht man weiter, findet man auch schon einmal nur sechs oder sogar acht Faktoren. Diese Faktoren stimmen weitestgehend miteinander überein, teilweise weichen sie jedoch ab, nicht nur in der Anzahl.

Das klingt zunächst verwirrend, jedoch darf man nicht vergessen, dass die Forschung zur Resilienz noch immer aktiv betrieben wird und immer neue Erkenntnisse hervor bringt. Je nach dem, auf welche Studien und Quellen ein Autor sich stützt, stehen in seiner Veröffentlichung eben auch unterschiedliche Faktoren der Resilienz im Mittelpunkt. Mit richtig oder falsch hat das meist nichts zu tun.

Wer mag und ein wenig Ausdauer mitbringt, kann sich diesbezüglich einmal die Veröffentlichung >>Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter“, herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, zu Gemüte führen. Spätestens nach dieser Lektüre wird klar, warum man nicht überall eine einheitliche Erklärung zum Thema Resilienz findet.

Selbstwirksamkeitserwartung

Ein besonders wichtiger Faktor der Resilienz – zumindest soweit scheinen sich alle einig zu sein –  ist  die Selbstwirksamkeitserwartung.
Für alle, die es interessiert, gehe ich im Artikel “>>Von Selbstwirksamkeit überzeugt? näher daruf ein.

An dieser Stelle sei aber schon einmal eine kurze Erklärung gegeben: 

Mit der Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet man die Erwartung, die jemand bezüglich dessen hat, wie gut er aus eigener Kraft heraus verschiedene Herausforderungen meistern kann. 

Wer davon überzeugt ist, mit Problemen und Krisen fertig zu werden, wer daran glaubt, sich auf sich selbst verlassen zu können und Umstände aktiv zu seinen Gunsten beeinflussen zu können, der wird die Widrigkeiten des Lebens in der Regel mit mehr Leichtigkeit verkraften als jemand, der diese Überzeugung von sich selbst nicht hat. Dieser verharrt oft schneller in einer Art Opferstarre und fühlt sich ausgeliefert und machtlos.
Personen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung bewerten Krisen zudem meist als weniger dramatisch als Personen mit niedriger Selbstwirksamkeitserwartung.

Warum fühlst Du, was Du fühlst?

Zahlreiche Ratgeber und Kurse zum Thema sollen dabei helfen, mehr Resilienz zu entwickeln. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass Resilienz auch im Erwachsenenalter noch erworben werden kann, auch wenn gerade in der Kindheit das eigentliche Fundament für die Resilienz gelegt wird – oder werden sollte. Ich habe mir einige Ratgeber angesehen – ein paar davon sind auch tatsächlich recht interessant und haben mir einige Einblicke ins Thema gewährt.

Einen Ansatz, der mit besonders gut gefiel, wählte der amerikanische Hirnforscher und Psychologie-Professor Richard Davidson. Er beschreibt ihn ausführlich in seinem Buch „Warum wir fühlen, wie wir fühlen (ISBN 978-3-442-33888-7)“, welches wir >>hier im Magazin ausführlich vorstellen.

Davidson hat in seiner jahrzehntelangen Forschung zur affektiven Neurowissenschaft herausgefunden, dass jeder Mensch über einen sogenannten emotionalen Stil verfügt. Dieser legt fest, wie jeder einzelne Mensch auf Ereignisse reagiert. Dieser Stil wird laut Davidson ganz konkret von klar differenzierten neuronalen Netzen regiert – und kann tatsächlich im Labor nachgewiesen werden. Der emotionale Stil eines jeden Menschen setzt sich zusammen aus sechs Stildimensionen, wovon eine die Resilienz ist.

Resilienz beginnt im Gehirn

Davidson hat zeigen können, dass im Gehirn ganz bestimmte Areale für unsere Resilienz verantwortlich sind. Wer belastbar ist, zeigt demnach in der Regel eine stärkere linksseitige Aktivität im präfrontalen Kortex. Ist die Aktivität eher rechtsseitig ausgeprägt, kann dies zu einer geringeren Belastbarkeit im Sinne von Resilienz führen. Die linke präfrontale Region sendet laut Davidson Signale an die Amygdala (sogenannter Mandelkern). Die Amygdala ist ihrerseits unter anderem an eher negativen Emotionen wie zum Beispiel Angst beteiligt. Die Signale des linksseitigen Kortex dämpfen die Aktivität der Amygdala, so dass die negativen Emotionen schneller abebben können. 
Wenn laut dieser These entweder zu wenig Aktivität im präfrontalen Kortex vorherrsche oder eine zu geringe Anzahl von neuronalen Verbindungen zwischen ihm und Amygdala existierten, komme es in der Schlussfolgerung zu einer langsameren Regenerationsfähigkeit und Belastbarkeit – was weniger Resilienz bedeute.

Geringe Resilienz ist kein Schicksal

Klingt endgültig? Ist es aber scheinbar nicht! Die gute Nachricht lautet, dass wir gemäß Davidson unser Gehirn durch bestimmte Übungen zu mehr Resilienz trainieren können, dass wir die verantwortlichen neuronalen Muster stärken können. Fitnesstraining fürs Gehirn! Dies gilt übrigens auch für die anderen Dimensionen des emotionalen Stils. Wie genau dies geht, erklärt der Neurowissenschaftler ebenfalls in seinem Buch. Dass und wie er es im Labor unter anderem mittels bildgebender Verfahren (z.B. MRT) nachweisen konnte, beschreibt er dort ebenfalls.

Ich persönlich finde diesen Ansatz sehr hilfreich.
Wann immer es um Aspekte der Psyche, der Einstellungen, des Charakters, der Persönlichkeit geht, wirken die Ansätze für Betroffene manchmal wenig greifbar, irgendwie diffus.

Ratschläge wie: „Denk positiv! Sei stark! Glaub an Dich! Lass Dich nicht unterkriegen!“ haben zwar mit Sicherheit eine Berechtigung, helfen aber im Ernstfall nicht unbedingt weiter.

Manche Ratgeber dagegen haben einen wirksamen Ansatz, liefern aber nicht unbedingt die nötigen Erklärungen dafür, warum bzw. auf welche Weise eine bestimmte Übung nun dabei helfen soll, mehr Resilienz zu entwickeln.

Manch einer mag sich gar minderwertig fühlen oder wird angegriffen, weil er scheinbar offensichtlich eine hinderliche Einstellung habe und selbst Schuld an seinem Elend sei. Selbst, wenn darin ein Körnchen Wahrheit enthalten sein sollte, bietet es nicht die nötige Hilfestellung. Schnell wird fehlende Resilienz so zu einem Makel, zu einer Art Charakterschwäche disqualifiziert. Man ist halt nicht belastbar, ist labil, schwach. 

Der – etwas vereinfachte – Gedanke, dass lediglich ein paar neuronale Verbindungen  – z.B. aufgrund ungünstiger Erfahrungen – nicht optimal verschaltet sind und diese nun mit entsprechenden Übungen und Disziplin neu ausgerichtet werden können, finde ich persönlich dagegen recht hilfreich, griffig und ermutigend. Auch, wenn das natürlich weder unbegrenzt noch über Nacht und manchmal auch nicht ohne fremde Hilfe gehen mag.

Geringe Resilienz ist kein Schicksal, kein Makel, keine Charakterschwäche. Sie ist Resultat verschiedener Einflussfaktoren und kann optimiert werden. Es gibt dazu verschiedene Ansätze. Nur darüber zu lesen wird einen sicher nicht weiter bringen. Neuronale Verbindungen ändern sich nicht einfach so, man muss sie schon dazu bringen!

Dabei helfen Therapien, Coachings, Trainings, Übungen. In bestimmtem Maße sicher auch Ratgeberliteratur, wobei deren Hauptleistung darin besteht, Hintergründe zu erläutern und Möglichkeiten aufzuzeigen – auf dem Weg zu mehr Resilienz und Widerstandskraft.

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Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.