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17
02
2014
Manchmal reicht positives Denken allein nicht

Positives Denken, genügt das?

von Bianca 0

Positives Denken hat so seine Tücken.
Sie kennen das sicher auch: Sie sollen vor Kollegen einen kleinen Vortrag halten – und allein der Gedanke daran treibt Ihnen die Schweißperlen auf die sorgenvoll in Falten gelegte Stirn. Sie würden am liebsten weg laufen, anstatt sich dort hin zu stellen und sich der Meute zu präsentieren, die bestimmt nur darauf wartet, dass Sie sich blamieren.

 

Schon der amerikanische Komiker Jerry Seinfeld soll etwas ironisch-makaber festgestellt haben, dass manch ein Zeitgenosse bei einer Beerdigung lieber im Sarg liegen würde, als die Rede davor zu halten. 

Wenn man seine Hemmung aber jemandem anvertraut, hört man nicht selten schlaue Sätze wie: Du schaffst es durch positives Denken! Du musst an Dich glauben! Sei optimistisch!
Also üben wir positives Denken. Wir nehmen uns fest vor, gelassen und eloquent vor unser Publikum zu treten und alle regelrecht vom Hocker zu reißen. Wir stellen uns vor, wie wir nach unserem Vortrag bescheiden die vielen Komplimente und Glückwünsche entgegen nehmen. Wir sind so dermaßen konzentriert auf positives Denken, dass wir locker den Plus-Pol einer Batterie abstoßen könnten. Und dann ist es soweit, wir treten nach vorn, öffnen unseren Mund und heraus kommt: „Ähhhem…“.

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Und vorbei ist es mit der Souveränität. Den Vortrag schaffen wir zwar und so schlecht ist er vielleicht gar nicht, aber innerlich sind wir genauso angespannt, unsicher und zittrig wie sonst auch. Und zusätzlich sind wir auch noch sauer auf uns selbst, weil wir sogar positives Denken scheinbar einfach nicht drauf haben!

Es gibt viele weitere Beispiele, in denen positives Denken allein scheinbar nicht funktioniert:

  • Wir nehmen uns vor, wegen einer Gehaltserhöhung selbstbewusst zum Chef hinein zu spazieren und kommen stattdessen frustriert mit einem Stapel Extra-Arbeit unterm Arm wieder heraus.
  • Oder wir wollen der nervigen Kollegin endlich einmal freundlich aber bestimmt sagen, dass sie ihren Kaffee ab jetzt selber holen kann, finden uns dann aber innerlich vor Wut kochend wieder vor dem Kaffeeautomaten wieder. Heute Latte oder schwarz, wie hätten Sie es denn gern?
  • Ein anderes Beispiel kennen sicher auch einige: Man nimmt sich fest vor, von jetzt an mehr Sport zu treiben, mit dem Rauchen aufzuhören, sich besser zu ernähren. Voller Optimismus und positiver Einstellung freut man sich auf sein neues, gesünderes Leben. Aber anstelle sich dynamisch-federnd auf der Joggingstrecke zu bewegen, schlurft man doch nur zum Schrank und holt die nächste Tüte Chips heraus.

Positives Denken hin oder her: Wieder einmal hat uns unser Mut im Stich gelassen, wieder einmal haben wir uns nicht durchgesetzt, wieder einmal sind wir eingeknickt.
Dabei haben wir doch fest daran geglaubt, dass wir diesmal standhaft bleiben! Haben an uns geglaubt!
Haben positives Denken gepflegt!

Positives Denken ist hilfreich, reicht aber oftmals nicht

Wenn wir beschließen, von jetzt an vorwiegend positives Denken zuzulassen, dann ist das ganz sicher ein guter Anfang. Immerhin ist uns schon einmal bewusst geworden, dass mit unserer Einstellung etwas nicht stimmen könnte. Wir gestehen uns ein, dass unsere Einstellung eventuell mit schuld daran sein könnte, dass die Dinge nicht immer so laufen, wie wir möchten.

Darauf dürfen wir richtig stolz sein, denn es bedeutet, dass wir Verantwortung übernehmen und die Schuld nicht immer nur bei unseren Mitmenschen oder den unglücklichen Umständen suchen. 

Nun aber geht es erst richtig los. Wir setzen uns S-M-A-R-T-E Ziele, wir visualisieren, was das Zeug hält und wir ersticken Gedanken an Scheitern bereits im Keim. Umso enttäuschter sind wir, wenn es dann trotz aller Anstrengung, trotz unseres Glaubens an positives Denken, wieder nicht funktioniert hat, wenn wir wieder nicht den Erfolg hatten, den wir uns gewünscht haben oder dabei innerlich zumindest wieder nicht so gelassen waren, wie wir es geplant hatten.

Wenn Ihnen das alles bekannt vorkommt, grämen Sie sich nicht. Es gibt eine Erklärung dafür. Sie sind ja nicht grundlos all die Jahre innerlich fast ohnmächtig geworden, wenn Sie sich beweisen oder behaupten sollten. Sie erliegen nicht grundlos immer wieder den kleinen, ungesunden Angewohnheiten.

Stellen Sie sich vor, Ihr Gehirn sei ein Computer. Auf dem haben Sie nun das kleine, weise Programm „Positives Denken“ installiert und freuen sich. Zur Zeit ist es regelrecht hip und wurde schon mehrfach zur Software des Jahres ausgezeichnet.

Wenn Sie genau hinschauen, gibt es aber neben dem Programm „Positives Denken“ noch viele weitere, mächtige Programme, die im Hintergrund ständig laufen – das sind die Glaubenssätze, die Sie im Laufe Ihres Lebens gebildet haben. Manche stammen aus Kindheitserfahrungen, andere haben sich erst später gebildet. Es gibt nützliche Glaubenssätze und weniger hilfreiche. Die weniger Hilfreichen sind die, die Sie sabotieren können.

Wenn Sie zum Beispiel den Glaubenssatz: „Was ich zu sagen habe, interessiert niemanden. Mir möchte niemand zuhören.“ verinnerlicht haben, ist es kein Wunder, dass eine Rede vor Publikum Sie aus der Fassung bringen kann. Da hilft es auch nicht, wenn Sie diesem möglicherweise über Jahrzehnte hinweg verinnerlichten, schädlichen aber trotzdem machtvollen Glaubenssatz ein buntes Mützchen aus positivem Denken aufsetzen.

Das Schlimme ist: Die meisten dieser Glaubenssätze sind so tief in unserem Unterbewusstsein abgelegt, dass wir meist gar nichts von ihnen ahnen.

Und so pinseln wir gut gelaunt mit den Farben des positiven Denkens ein Bild der Zuversicht in unseren Alltag und wundern uns, dass nach dem nächsten Regen nichts mehr davon übrig ist.

Positives Denken ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung!

Leider aber gehört mehr dazu, wenn man sich und seine störenden Angewohnheiten, Neurosen und Ängste dauerhaft in den Griff bekommen möchte. Es gibt zahlreiche Methoden, wie man dies angehen kann – von der klassischen Gesprächstherapie über Hypnose bis hin zu NLP-Techniken, um nur ein paar wenige zu nennen. Dabei gehen einige Methoden auf Ursachenforschung, andere konzentrieren sich eher darauf, den Ist-Zustand zu ändern, ohne alles tiefgreifend zu hinterfragen.

Jeder, der bereit ist, wirklich an sich zu arbeiten, wird sicher etwas passendes finden.

Ob Sie nun bereit sind, diesen Weg zu gehen oder nicht, eines ist gewiss: wenn Ihnen demnächst wieder einmal jemand gönnerhaft weismachen möchte, Sie könnten alle Probleme durch positives Denken lösen – lächeln Sie vielsagend. Sonst nichts. Sie müssen sich nicht rechtfertigen.

Wer sich wirklich mit dem Thema beschäftigt, kennt auch die Macht der negativen Glaubenssätze und wird Ihnen keinen solch pauschalen Rat geben.

Und wer nur etwas nachplappert, was er mal aufgeschnappt hat, wird jeden Erklärungsversuch als Rechtfertigung ansehen. Auch – oder gerade – wenn er oder sie es nur gut mit Ihnen meint.

Wichtig ist nur, dass Sie nie mehr glauben, Sie hätten einfach kein Talent für positives Denken. Das ist nämlich auch nur ein negativer Glaubenssatz. Denken Sie daran: Er ist wie ein Programm. Und was kann man mit Programmen machen, wenn Sie einem nicht mehr gefallen? Richtig: Löschen. Auch wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt.

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Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.