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27
01
2016

Und dann hätten wir uns fast gesagt, was wir uns bedeuten.

von Bianca 0

Kennst Du das auch? Du hättest fast. Fast Deine Liebe gestanden. Fast das Unmögliche gewagt. Fast alles aufs Spiel gesetzt. Fast Deine Träume verfolgt. Fast die Welt aus den Angeln gehoben.

 

Es geht nicht nur um die Liebe zu einem anderen Menschen, sondern um die zu den Dingen, die Du gern tun würdest. Um die Liebe zu Dir selbst.

Fast hast Du dazu gestanden. Fast Deine Ängste überwunden.

Der Titel dieses Artikels ist nicht von mir. Es ist eine Textzeile aus dem Gedicht „One Day, Baby…“ von Julia Engelmann, einer jungen Frau, die sehr erfolgreich auf Poetry Slam Festivals auftritt.

Was sie sagt, hat mich tief berührt. Sie sagt, wir reden in Konjunktiven. Wir hätten – fast! Fast all das das getan, was wir schon immer tun wollten! Dieses Fast liegt wie ein Schleier zwischen dem, der wir sein wollen und dem, der wir sind.

Irgendwann, vielleicht

Dies gilt auch gerade für die Menschen, die uns nahe stehen. Wie oft verlässt uns jemand – durch Tod oder Schicksal – und wir denken, wir hätten ihm so gerne noch gesagt, was er uns bedeutet. Aber wir kamen ja nie dazu. Fanden nicht die Zeit. Oder den Mut. Dachten, wir hätten schon noch die Gelegenheit dazu – irgendwann, vielleicht.

Doch wir tun es nicht. Und dies zieht sich durch unser Leben.

  • Wir unterlassen all die Dinge, von denen wir immer träumten.
  • Wir wandern nicht aus.
  • Wir gründen keine Firma.
  • Wir treiben nicht mehr Sport.
  • Essen nicht gesünder.
  • Leben nicht unser Leben.

Wir erzählen Geschichten, die eigentlich keiner hören will: Von dem, was wir tun würden, wenn – ja, wenn! Dieses „Wenn“ ist dehnbar.

Denn es schließt all die Entschuldigungen ein, die wir finden – erfinden -, um nicht dass zu tun, was wir tun sollten.

Warum sollten? Weil wir dafür gemacht sind. Ja, für manche Dinge sind wir gemacht, geschaffen, alles in uns schreit danach, diese Dinge zu tun. Aber wir tun es nicht. Warum nicht? Weil wir zweifeln. Zweifeln an dem, was wir gewinnen könnten. Angst haben vor dem, was wir verlieren könnten. Keinen Mut finden.

Dabei ist es so einfach.

Wir haben etwa 80 Jahre Zeit. Und die Zeit rast. Weisst Du noch, vorletztes Silvester? Ja, genau, das ist schon ein Jahr her. 80 Mal diese kurze Zeitspanne und Dein Leben ist vorbei. Und da Du jetzt gerade wahrscheinlich nicht neugeboren bist, sind es weniger als 80 Mal. Tick Tack.

Das sollte mein Leben gewesen sein?

Am Ende unseres Lebens fragen wir uns, wo all die Zeit geblieben ist.

Als mein Opa starb, vor 1,5 Jahren, da war am Ende alles Nichts, nur wir blieben zurück. Er war Zeit seines Lebens ängstlich. All seine Träume hatte er sorgfältig in Zellophanpapier gewickelt und auf dem hintersten Dachboden versteckt. So gut, dass er sie vergaß. Und so war sein Tod noch trauriger, als er es ohnehin schon war.

Ich weiß das. Kurz zuvor bin ich nämlich selbst fast gestorben. Nichts Spektakuläres, nur ein geplatzter Blinddarm. Ich maß den Schmerzen keine allzu große Bedeutung bei. Ich kann ziemlich hart im Nehmen sein. Hart gegen mich selbst. Manchmal eben zu hart. Man hat ja so viel zu tun.

Und dann saß ich dort, im Krankenhaus, in meinem Bett und die Ärzte machten mir nicht gerade Mut. Sie ließen keinen Zweifel daran, dass es vorbei sein könnte. Sie mir nicht sagen könnten, ob ich es schaffe. Sie tun würden, was möglich ist.

Und was war es, was mir durch den Kopf schoß? Es war nicht der Gedanke an den Tod. Ich empfand keine Angst. Ich empfand Bedauern. Was ich dachte war: „Und das war mein Leben? Das war es schon?“ Was war mit all meinen Träumen? Und es schockte mich mehr als alles andere.

Es kann so schnell vorbei sein. Morgen. Oder heute. Fest steht: Es WIRD irgendwann vorbei sein.

Und wollen wir dann am Ende nicht Geschichten erzählen, an die wir uns selbst gerne erinnern?

Und nicht solche, in denen wir erzählen, was wir gern getan hätten?

Im Angesicht des Todes habe ich nicht an den Tod gedacht. Nur an das Leben, welches ich so selbstverständlich nahm.

Die Frage ist nicht, OB wir verzichten wollen. Sondern WORAUF. 

Warum verschieben wir alles?

Weil wir glauben, wir hätten ewig Zeit.

Weil wir nicht verzichten wollen.

Aber wir verzichten – immer. Alles andere ist eine Illusion.

Wenn wir nicht auf das verzichten, was wir haben, dann auf das, was wir stattdessen haben könnten.

Und dann kommt die Angst

Angst lähmt uns – und natürlich die Bequemlichkeit, ihr willfähriger Begleiter.

Es ist nicht gut so, wie es ist. Aber wer weiß, ob es anders besser wäre…

Der Status Quo ist bequem, weil er berechenbar ist. Und was berechenbar ist, macht keine Angst.

Dabei kennt das Leben keinen Status Quo, auch das ist eine Illusion. Das Leben kann sehr hart zuschlagen. Leben ist IMMER Veränderung. Schicksalsschläge sind nicht planbar, andere Menschen nicht kontrollierbar. Ihre Entscheidungen bringen unsere bequeme Ecke durcheinander, ob wir das wollen oder nicht.

Aber dann können wir wenigstens die Schuld auf die Anderen schieben und müssen uns nicht darüber ärgern, selbst schuld daran zu sein, dass es auch mal unbequem werden kann oder wir plötzlich Angst haben.

Aber es sind immer die, die den Mut haben, selbst etwas zu ändern und die, die ihre Angst niederkämpfen, egal wie oft sie sie in die Knie zwingt, die die Menschheit letztendlich nach vorne gebracht haben.

Rosa Parks hatte ganz sicher Angst, als sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen.

Das Ergebnis ihrer Handlung war nicht berechenbar für sie. Aber sie blieb sitzen. Und so gab es unzählige Menschen, die ihre Angst überwanden. Damals – und heute. Im Großen wie im Kleinen.

Meine Freundin träumte jahrelang von einem Fallschirmsprung, aber sie hatte eine Heidenangst. Letztes Jahr tat sie es. Sie sprang. Seitdem ist sie einen anderer Mensch. Nicht der Sprung hat sie verändert. Sondern das Bewusstsein, ihre Angst überwunden zu haben.

Und Du?

Was hättest Du alles schon fast gemacht?

Was wirst Du am Ende Deines Lebens am meisten bereuen – WILLST du das? WIRKLICH?

Und warum fängst Du nicht heute an, Geschichten zu leben, an die Du Dich morgen gerne erinnerst? 

Hier das Video zu Julia Engelmanns Auftritt 2013

Unbedingt anschauen!

Und dann hätten wir uns fast gesagt, was wir uns bedeuten.

Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.

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