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07
06
2016
Emotionen und Unbewusstes

Der Autopilot Deines Lebens sitzt im Kopf

von Bianca 0

Leben auf Autopilot?

Da werden wir alle auf Selbstverwirklichung getrimmt, auf autonomes Handeln, auf Handlungskompetenz. Und das klingt auch ganz hervorragend. Es fühlt sich gut an, Herr über sich selbst zu sein. Wir treffen bewusste Entscheidungen, handeln so, wie wir es für richtig halten, ziehen die Dinge durch. Nun ja. Nicht ganz.

Denn wir alle haben einen kleinen, aber leistungsstarken Autopiloten im Kopf, der uns in vielerlei Hinsicht ohne bewusstes Zutun durchs Leben navigiert. Auch Du.

11 Millionen pro Sekunde

Das ist auch nötig, denn sonst kämest Du zu gar nichts. Überleg mal, was Deine Steuerzentrale im Kopf alles leisten muss, um Dich überhaupt am Leben zu halten.

Sie muss die Atmung regeln. Den Herzschlag. Den Stoffwechsel.

Deine Körpertemperatur aufrecht halten.

Die Kommunikation zwischen Deinen Nervenbahnen steuern, damit Du sogar im Schlaf ein Kribbeln merkst und den Kopf vom Arm nimmst, bevor er komplett eingeschlafen ist. Den Schlaf selbst steuert sie nebenbei auch.

Sie lässt Dich die Augen aufschlagen und Deine Umgebung erkennen, schenkt Dir Orientierung.

Und bis jetzt bist Du nicht mal aufgestanden!

Startest Du in den Tag, muss sie zusätzlich Deine Muskelspannung kontrollieren, damit Du überhaupt erst mal aufrecht stehst.

Deine Bewegungen koordinieren, damit Du von der Stelle kommst.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs!

Jetzt, wo Du wach bist, steigert sich die Anzahl der wahrgenommenen Reize aus Deiner Umwelt ganz dramatisch. Deine Sinnesorgane werden mit etwa 11 Millionen Informationseinheiten pro Sekunde bombardiert. Pro Sekunde!

Und in diesem Hagel an Eindrücken muss Du jetzt irgendwie handlungsfähig sein. Völlig klar, das Du das nicht könntest, wenn Du jetzt alle 11 Millionen Eindrücke Sekunde für Sekunde bewusst verarbeiten müsstest. Also wird aussortiert, was das Zeug hält. Wirklich wahrgenommen wird nur, was irgendwie „relevant“ erscheint. Und wer entscheidet, was relevant ist? Grob vereinfacht: Dein Erfahrungsgedächtnis. Informationen müssen irgendwie passen zu dem dem, was Du schon im Kopf hast. Zu den mentalen oder neuronalen Mustern, die sich in Deinem Gehirn durch Deine Erfahrungen gebildet haben.

Dein Verstand ist nur eine Dampflok

Das alles passiert sozusagen in Überschallgeschwindigkeit  – jedenfalls gemessen an der Trägheit, mit der unserer bewusster Verstand reagieren kann.

Gemessen an der Rennwagen-Natur des Unterbewusstseins ist der nämlich eher eine gemütliche Dampflok. Er bekommt zum Verheizen – auf dem Silbertablett – nur noch die Kohlen geliefert, die das Unterbewusstsein ihm schon zurecht gepresst hat – und weil er davon nichts weiß, fühlt er sich extrem wichtig, erfreut sich an seiner vermeintlichen Weisheit und produziert viel heiße Luft. Dampf eben.

Stolz sind wir auf unsere sachliche Entscheidungskompetenz – ahnen wir doch nichts davon, dass wir den neuen Kleinwagen eben nicht nur wegen der funktionalen Ausstattung gewählt haben, sondern weil uns seine Farbe an Omas Reihenhäuschen erinnert hat, in dem wir uns als Kind immer so behaglich fühlten. Unbewusst passiert nämlich (grob vereinfacht) eher etwas in dieser Art: „Kommt uns das irgendwie bekannt vor, gibt es Parallelen? Wenn ja, gibt es ein Gefühl dazu? Ist dieses Gefühl positiv? Dann los!“.

Von Rennchampions und toten Pferden

Diese rasende Leistungsfähigkeit hat enorme Vorteile. Wer würde an der Nützlichkeit schneller Reaktionen und rascher Auffassungsgabe zweifeln?

Und nebenbei gibt uns das Erfahrungsgedächtnis auch viel Sicherheit. Hat sich etwas bewährt, behalten wir es bei. Ganz automatisch, ohne dass wir da noch großartig drüber nachdenken müssten.

Um auf das richtige Pferd zu setzen, hält man sich ja auch eher an die bewährten Rennchampions. Allerdings führt diese Strategie dazu, leider auch schon mal auf einem toten Pferd in die Stadt reiten zu wollen.

Warum? Nunja … alles hat seinen Preis. Und unser hervorragender, rasanter, multifunktionaler Autopilot im Kopf (leistungsfähiger übrigens als jeder technisch erbaute Autopilot) ist tatsächlich nicht gerade ein Schnäppchen.

Wir bezahlen nämlich damit, dass wir eben ganz oft NICHT objektiv sind. Besser gesagt nie. Und manches mal wird aus unserem Erfahrungsgedächtnis auch ein Signal kommen, dass uns auf die falsche Fährte bringt – ohne dass uns das bewusst würde. Wir werden von allem beeinflusst, was wir gesehen, gehört, erlebt haben. Nicht immer war das positiv und manchmal verknüpfen wir neue Erfahrungen mit alten, negativen Gefühlen, obwohl die neuen Erfahrungen objektiv gar nichts mit der alten, belastenden Situation zu tun haben. Das hindert uns dann am echten Vorwärtskommen. Womit wir bei den toten Pferden wären. Darauf kommt man bekanntlich auch nicht weiter.

Mein Großvater konnte sich Zeit seines Lebens an keinem Buffet anstellen, ohne dass ihm der Schweiß ausbrach. Nicht einmal an einem kleinen, zünftigen Buffett im eigenen Partykeller hielt er es aus. Wirklich erklären konnte er das nicht. Nach vielen Jahren und endlosen Diskussionen kam heraus, dass er sich stets in seine Kriegsgefangenschaft zurückversetzt fühlte. Dort musste er für sein Essen anstehen. Das war so tief gespeichert, hatte ihn so sehr negativ geprägt, dass es ihn bis an sein Lebensende hemmte. Sein Autopilot ließ ihn zuverlässig jedes Buffet weiträumig umfliegen.

In seinem Fall kamen wir der Sache auf die Spur. Aber ganz häufig wird es einem nie bewusst, warum man sich in bestimmten Situationen auf diese oder jene Weise verhält.

Steuer ergreifen!

Das Geheimnis wirklich guter Entscheidungen liegt also darin, dem Autopiloten zu vertrauen – aber ihn im richtigen Moment abzuschalten und selber das Steuer zu ergreifen. Wie das geht?

Leider nicht ganz einfach. Er ist so mächtig und gleichzeitig mit einer so guten Tarnkappe ausgerüstet, dass wir ihn kaum wahrnehmen und erst recht nicht mal eben so außer Gefecht setzen können. Aber wir können lernen, uns ihm zu nähern, ihn zu verstehen –  und somit ein echtes Gespür für uns selbst entwickeln. Wir kommen uns dann sozusagen selbst auf die Spur, ertappen uns selbst, können, wenn nötig, gegensteuern. Und plötzlich können wir sogar schlechte Gewohnheiten abstellen oder unseren Zielen dann ausnahmsweise mal wirklich näher kommen.

Das funktioniert aber weder allein mit positivem Denken, mit Zielsetzung am Reißbrett noch mit Willenskraft. Hilft alles, aber man muss es schon richtig einsetzen. Noch viel wichtiger ist es, bestimmte Dinge zu hinterfragen. Um sowohl Rennwagen als auch Dampflok zu kontrollieren und somit steuern zu können, muss man verstehen, wie sie funktionieren. Bleifuß allein oder einfach immer mehr Kohle nachschippen – das schadet mehr als es nutzt. Mehr dazu demnächst hier im Blog.

Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.

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