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05
11
2013
Die Angst, Deine Freundin

Komfortzonenerweiterung – Deine Freundin, die Angst

von Bianca 0

Dieser Artikel kann und soll keine ärztliche Beratung ersetzen. Er ist lediglich als Anregung gedacht und basiert auf persönlichen Recherchen und Erfahrungen. Bitte konsultiere in jedem Fall Deinen Arzt, wenn Du das Gefühl hast, Du könntest betroffen sein. Er wird gemeinsam mit Dir überlegen, ob  – und wenn ja, welche – Therapien angezeigt sind. 

Angst ist eine unserer ältesten Weggefährtinnen. Sie spielt in der gleichen Liga wie Wut, Freude oder Liebe. Sie hat uns durch Millionen von Jahren begleitet. Dennoch mögen wir sie nicht sonderlich – während Liebe das Herz beben, Wut das Blut kochen und Freude die Glückshormone tanzen lässt, schenkt uns die Angst nichts weiter als die kalte Hand im Nacken. So scheint es jedenfalls auf den ersten Blick. Dabei ist sie es, die uns vor Situationen warnt, die bedrohlich sind und uns in Gefahr bringen können. Angst versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und sorgt für schnelle Flucht- oder Kampfreaktionen, wenn es erforderlich ist. Angst ist überlebenswichtig – das zeigt auch die Entwicklungsgeschichte des Menschen, denn als dieser noch in Höhlen hauste und wilde Tiere wie Säbelzahntiger seinem Leben jederzeit ein jähes Ende bereiten konnten, waren schnelle Reaktionen lebensnotwendig, genauso wie die damit verbundene, verstärkte Wachsamkeit. 

Die Urangst – Mutter aller Ängste

Diese Angst, die uns durch die Evolution begleitet hat, ist unserer Gesellschaft bis heute erhalten geblieben. Sie richtet sich jetzt natürlich größtenteils gegen andere Dinge, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder verändert haben und wahrscheinlich auch heute noch je nach Land und Gesellschaft deutlich variieren können. Unsere moderne Zivilisationsgesellschaft jedenfalls fürchtet sich sicher nicht mehr übermäßig vor wilden Tieren – dafür kennt sie die Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Geldmangel, vor dem Verlassenwerden, vor Einsamkeit, vor Versagen, aber auch immernoch die Angst vor Gewalt, Krankheit und Krieg sehr genau. So verschieden diese Ängste sind, alle bedrohen sie unser Leben, unsere Existenz – mal auf gravierende, mal auf weniger dramatische Weise. Angst ist so verwurzelt in uns, dass unsere Wahrnehmungsmuster enorm darauf ausgerichtet sind. Negative Schlagzeilen, schlechte Botschaften, bevorstehendes Unheil – nichts kann unsere Aufmerksamkeit so stark auf sich lenken wie diese Verkündungen von möglichen Gefahren. Positive Meldungen interessieren uns einfach nicht so sehr – nicht, weil wir sie nicht mögen würden, sondern weil sie einfach keinen so großen Mehrwert für unser nacktes Überleben haben.

Wenn Angst das Leben bestimmt

Angst ist also nichts Schlechtes und eine natürliche Emotion, die unser Fortbestehen sichert. In Zeiten jedoch, in denen wir von Informationen überflutet werden und diese oft negativ ausgerichtet sind, ist die Gefahr groß, dass wir irgendwann von einer negativen Informationsflut überrannt werden. Am Ende glauben wir möglicherweise, absolut alles stelle eine Bedrohung dar. Wenn wir zusätzlich vielleicht noch von Eltern geprägt wurden, die ihrerseits ebenfalls von eher ängstlichem Naturell sind, sehen wir irgendwann nur noch potentielle Säbelzahntiger um uns herum – und verfallen in eine Art Angststarre. Das führt eventuell dazu, dass wir es uns zu gemütlich machen in einem wohlbekannten und als ungefährlich eingestuften Bereich unseres Lebens. Diese sogenannte Komfortzone hält uns warm und trocken. Leider aber schließt sie auch viele lebenswerten Erfahrungen aus, die im eigentlichen Sinne gar keine echte Gefahr bergen. Eine Komfortzonenerweiterung kann hilfreich sein.

An die Grenzen der Komfortzone heran tasten

Es macht durchaus Sinn, sich einmal an die Grenzen der eigenen Komfortzone heran zu wagen. Man muss ja nicht gleich die allergrößten Ängste in Angriff nehmen. Auch sind manche davon absolut gerechtfertigt und sie zu bekämpfen wäre kontraproduktiv. Es geht vielmehr um die Ängste, hinter denen keine lebensbedrohlichen Umstände stecken, die uns aber dennoch fest im Griff haben und uns nach ihrer Nase tanzen lassen. In der Öffentlichkeit zu sprechen, Veränderungen zuzulassen, die eigene Meinung zu vertreten, neuen Dingen gegenüber offen zu sein – dies sind moderne, weithin mit Ängsten belegte Angelegenheiten. Aber auch die Angst vor dem Gang in den Keller, die unbegründete Angst vor fremden Menschen und die Angst davor, allein zu sein gehören dazu. Eine Komfortzonenerweiterung dehnt den eigenen Handlungsspielraum aus – sie kann das Leben durchaus bereichern.

Die Angst vor der Angst enttarnen

Sich diesen Ängsten zu stellen, ist nicht leicht und kostet viel Überwindung. Wer es wagen will, sollte zunächst  akzeptieren, dass es in Ordnung ist, Angst zu haben. „Ich gestehe mir zu, jetzt ängstlich zu sein und verurteile mich nicht dafür.“ ist ein Satz, den man sich selbst gegenüber ruhig einmal äußern könnte. Oder man wendet sich direkt an den vermeintlichen Gegner: „Liebe Angst, ich weiß, Du meinst es gut mit mir und willst mich nur schützen. Es ist okay, dass Du da bist.“ Denn was die Angst oft noch unangenehmer macht, als sie ist, sind unser Unwille und unsere Abwehr. „Ich will jetzt keine Angst haben!“ denken wir uns dann. Dabei verkrampft man oftmals nur noch mehr, steigert sich hinein. Zulassen, akzeptieren – das ist ein erster, großer Schritt. Man muss lernen, zu unterscheiden zwischen der Angst vor der Situation und der Angst vor der Angst. Dieser Unterschied ist groß: Wer zusätzlich zur Angst vor der Situation auch noch Angst vor der Angst hat, lässt sich von ihr verrückt machen, beherrschen. Wer es schafft, das in den Griff zu bekommen, kann sich anschließend der eigentlichen Situation zuwenden und versuchen, sich ihr schrittweise zu nähern.

Komfortzonenerweiterung Schritt für Schritt wagen

Wer Angst vor öffentlichen Reden hat, könnte sich zunächst einmal vornehmen, auf dem nächsten Geburtstag, zu dem er eingeladen wird, eine kurze Ansprache zu halten mit guten Wünschen für das Geburtstagskind. Im trauten Kreise von Freunden und mit einem solch unbeschwerten Thema lässt sich gut üben. Dabei könnte man die eigenen körperlichen Reaktionen beobachten und im Nachhinein analysieren. Jeder noch so kleine Schritt zählt und kann als Etappensieg verbucht werden.
Auf diese Weise kann man sich immer weiter an eine Komfortzonenerweiterung herantasten. Dabei gilt: Die größte Angst zeigt an, in welchem Bereich wir uns am stärksten einschränken lassen. Natürlich gibt es Formen der Angst, die schwerwiegend und manchmal behandlungsbedürftig sind. Akute Panikstörungen können so ein Fall sein, Ängste, die auf einem Trauma basieren, Ängste, die zu Zwangshandlungen führen. Es gibt noch einige weitere Angststörungen, die ein Arzt oder ein Therapeut eindeutig diagnostizieren und mit verschiedenen Methoden behandeln können. Das kann ein langwieriger Prozess sein, aber am Ende steht im Idealfall ein nicht mehr von Ängsten bestimmtes Leben. Wer also seine Angst einfach nicht in den Griff bekommt, sollte ruhig einmal über professionelle Hilfe nachdenken. 

Die Angst als Freund

Angst ist nichts Schlechtes. Angst ist für uns, nicht gegen uns. Aber wenn wir ihr zuviel Macht verleihen, kann sie sich durchaus gegen uns selber richten, uns bremsen, kontrollieren. Anstelle vor ihr wegzulaufen, lohnt es, inne zu halten und ihr ins Gesicht zu blicken. Sie zu beobachten, zu analysieren. Das nimmt ihr einen großen Teil des Schreckens. 

Hier geht es um Ängste, hinter denen keine lebensbedrohenenden Gefahren stecken. Wer Angst vor Haien hat, hat diese sicher berechtigterweise und tut gut daran, nicht im Haifischbecken zu schwimmen, nur um diese Angst zu überwinden. Die kleineren, lästigen Ängste des Alltags jedoch, die unser Leben heimlich steuern, sollten wir niemals aus den Augen lassen, damit sie nicht heimlich die Herrschaft über uns übernehmen.

Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.