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18
02
2014
Authentizität - Freiheit des Geistes

Authentizität – Freiheit des Geistes

von Bianca 0

Echtheit, Glaubwürdigkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Wahrheit, Zuverlässigkeit – das sind die Synonyme, die der Duden für den Begriff Authentizität nennt.
Authentizität ist eines der Top-Themen der letzen Jahre und sogar die Werbebranche, die ja oftmals recht stark dem schönen Schein verpflichtet zu sein scheint, hat eine gewisse Verbundenheit zu mehr Echtheit aufgebaut.

 

So gibt es hin und wieder tatsächlich Models jenseits Kleidergröße 34, die für eine Bodylotion werben.
Inwiefern es sich hierbei tatsächlich um Authentizität handelt, sei dahin gestellt, denn letztendlich geht es um Verkauf. Und verkauft wird, was gefällt. Zumindest scheint es daher so, dass man in der relevanten Zielgruppe ein gewisses Bedürfnis nach Authentizität identifiziert hat.

Authentizität – was ist das eigentlich?

Ich möchte versuchen, mich dem Thema Authentizität einmal aus meiner ganz persönlichen Sichtweise zu nähern.

Es gibt in letzter Zeit häufiger Ansätze, in denen diskutiert wird, ob es Authentizität überhaupt in dem Sinne gibt, wie es immer behauptet wird.

Diesen Ansätzen nach ist das Thema nicht ganz so einfach, wie es zunächst scheint. Wenn wir jemanden beobachten, entscheiden wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungswelten, ob sein Verhalten authentisch ist – so lautet die Argumentation. Deshalb habe das, was wir bei anderen für wahrhaftig und echt halten, immer auch etwas mit uns selbst zu tun.

  • Würden wir selbst uns auch so verhalten?
  • Halten wir es für wahrscheinlich, dass sich jemand in einer bestimmten Situation so verhält, wie die Person, die wir beobachten?

Man geht davon aus, dass, falls die Antwort auf beide Fragen ja lautet, die Wahrscheinlichkeit, dass wir der Person Authentizität zuschreiben, recht groß ist.

Ich denke, dass diese Sichtweise sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist. Dennoch glaube ich persönlich, dass man hier noch etwas genauer hinsehen könnte.

Wenn ich von mir persönlich ausgehe, so habe ich folgende Beobachtung gemacht:

  • Wenn eine Person sich so verhält, wie ich selber mich verhalten würde, empfinde ich sie in der Regel als  berechenbar und vertraut.
  • Als authentisch habe ich aber auch schon Personen wahrgenommen, deren Verhalten überhaupt nicht vergleichbar war mit dem, welches ich in der Situation zeigen würde.

Nun kann man argumentieren, dass ich mir vielleicht insgeheim wünschen würde, mich auch so zu verhalten, mich nur nicht trauen würde. Das mag in dem einen oder anderen Fall auch tatsächlich schon einmal so gewesen sein. Ausschlaggebender war aber glaube ich, dass die Person so war, wie sie tatsächlich ist, dass SIE sich getraut hat, einfach zu sich selbst zu stehen.

Wenn jemand authentisch ist, stimmen nämlich im Regelfall auch seine Körpersprache und seine Mimik mit dem überein, was er sagt.  Auch wenn man nicht explizit darauf achtet, vermittelt diese Tatsache ein Gefühl der „Echtheit“. Man spürt es dann einfach.

Warum aber sehnen sich die Menschen nach Authentizität?

Warum umgeben sich viele Menschen gerne mit Personen, die Authentizität vermitteln? Ich glaube, dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.

Jemand, der einfach so ist, wie er ist, spielt uns nichts vor, nur um zu gefallen. Er spielt nicht mit beim weit verbreiteten „fishing for compliments“. So jemand trifft auch schon einmal unpopuläre Entscheidungen und riskiert, andere gegen sich aufzubringen.

Und was passiert dann? Es ist ein wenig wie beim althergebrachten Balzritual der Menschen – interessant sind doch eigentlich immer die Personen, die uns zunächst einmal einen Korb geben oder zumindest so tun, als seien sie nicht interessiert.

Auch hier schert sich also jemand nicht um unsere Meinung oder unsere Zustimmung. Auch hier ist jemand – zumindest uns gegenüber – nicht „fishing for compliments“.

Im Fall der Authentizität scheint eine Person grundsätzlich nicht daran interessiert zu sein, was andere über sie denken – und wird dadurch sofort ungleich interessanter für alle anderen. Der Nimbus von Verwegenheit und Kühnheit umweht eine solche Person.

Aber dies ist nur ein Teil der Faszination von Authentizität.

Wie bereits oben erwähnt, traut sich so eine Person, tatsächlich sie selbst zu sein. Zu beschließen, dass man sich nicht mehr abhängig machen möchte vom Urteil anderer, ist ja nur der erste Schritt. Man muss es sich auch trauen!

Dazu muss man einige Unsicherheiten überwinden. Zu sich zu stehen bedeutet schließlich auch, zu seinen eigenen Schattenseiten zu stehen und diese nicht mehr zu verstecken, sich nicht dafür zu schämen –  aber dennoch zu wissen, dass es diese Schattenseiten gibt und nichts daran zu beschönigen. Dies ist ein hartes Stück Arbeit und wer es bewältigt, hat guten Grund, stolz auf sich zu sein.

Authentizität schafft Toleranz

Interessanterweise habe ich die Erfahrung gemacht, dass jene Menschen, die für mein Empfinden besonders viel Authentizität ausgestrahlt haben, oftmals auch viel toleranter gegenüber ihren Mitmenschen waren.

Dies mag daran liegen, dass sie sich selbst mit allen Höhen und Tiefen der eigenen Persönlichkeit beschäftigt und ausgesöhnt haben. Wer akzeptiert, selbst nicht perfekt zu sein, kann dies auch sehr viel leichter bei anderen akzeptieren. Denn wie heißt es so schön? Was einen an anderen stört, hat letztendlich immer mit einem selbst zu tun.

Solange man sich seine eigenen Schwächen also nicht eingesteht, reagiert man nach dieser These auf Menschen, die einem die eigenen Schwächen vorspiegeln, ablehnender, da sie einen auch an das erinnern, was man an sich selbst nicht wahrhaben möchte. Dies gilt sicher nicht in jedem Fall, aber das ein oder andere Mal kann ich das zumindest für mich bestätigen.

Wer jedoch seine Ecken und Kanten akzeptiert hat, muss sie nicht mehr auf andere projizieren und kann somit viel entspannter und toleranter mit Menschen umgehen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Personen nicht mehr an sich arbeiten müssen. Es ist sogar sehr viel leichter, an den eigenen Schwächen zu arbeiten, wenn man sie sich vollends eingesteht. Aber „an sich arbeiten“ bedeutet dann eben nicht mehr, sich selbst so zu verformen, dass man in das gängige Gesellschaftsbild passt, sondern sich zu dem besten, persönlichen Selbst entwickeln zu können, dessen man fähig ist. So gelangt man dann irgendwann zur persönlichen Authentizität.

Nun muss man vorsichtig sein – nicht jeder, der scheinbar auf die Meinung anderer nichts gibt, ist gleich ein Ausbund an Authentizität.
Ganz im Gegenteil, viele jener, die sich über andere hinweg setzen ohne Rücksicht auf Verluste, handeln aus eher dunklen Abgründen ihrer Persönlichkeit heraus.

Authentizität ist anders – sie unterwirft sich nicht bedingungslos den gesellschaftlichen Regeln, die andere Ihnen aufzwingen wollen (von Gesetzen natürlich einmal abgesehen), akzeptiert aber sehr wohl die Regeln und Normen und Lebensweisen, denen sich andere freiwillig unterworfen oder die sie gewählt haben.

Wer authentisch ist, lebt mit sich soweit im Reinen, dass er eine Weile von sich selbst ablassen und sich ganz offen dem Du zuwenden kann. Das macht das warme Gefühl aus, welches solche Menschen in uns auslösen können. Sie akzeptieren uns so, wie wir sind –  und auch wir sind plötzlich nicht mehr „fishing for compliments“.

Wenn man all dies berücksichtigt, wird deutlich, dass wahre Authentizität nicht leicht zu finden und noch viel schwerer für sich selbst zu erringen ist. Auch das macht sicher einen Teil ihrer Faszination aus.

Letztendlich bedeutet Authentizität auch ein Stück weit persönliche Freiheit – die Freiheit, sich und andere anzunehmen. Und Freiheit ist schließlich noch immer eines unserer höchsten, unserer erstrebenswertesten Güter.

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Bianca

Autor: Bianca

Hi, ich bin Bianca und freue mich, dass Du hier bist. Bereits seit 2012 schreibe ich hier für Dich. Meine Themen sind Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit & Marketing/ Positionierung für Solopreneure und kleine Teams. Aber auch gesunde Ernährung ist meine große Leidenschaft. Deshalb schreibe ich auch auf meinem Ernährungsblog Caralethics.de darüber.